Blockchain: Definition, Entwicklung, Funktionsweise und Mehrwert

Blockchain schafft Vertrauen ohne zentrale Instanz. Doch nicht jedes digitale Problem ist ein Vertrauensproblem. Wann Blockchain sinnvoll ist – und wann eine Datenbank die bessere Wahl ist.
1. Definition
Eine Blockchain ist ein verteiltes, manipulationsresistentes Register (Distributed Ledger), in dem Transaktionen oder Zustände in Blöcken gespeichert und kryptografisch miteinander verkettet werden.
Jeder neue Block referenziert den vorherigen Block, wodurch eine nachträgliche Veränderung der Historie praktisch ausgeschlossen wird.
Wesentlich ist dabei nicht die Technologie an sich, sondern das Vertrauensmodell:
Blockchain ersetzt zentrale Vertrauensinstanzen durch technische Regeln, Kryptografie und Konsensmechanismen.
2. Entwicklung
Die Blockchain-Technologie entstand nicht im industriellen Kontext, sondern aus einem sehr spezifischen Anwendungsfall:
- 2008/2009: Einführung von Bitcoin – Ziel war ein dezentrales, zensurresistentes Zahlungssystem ohne Banken
- ab 2015: Ethereum erweitert das Konzept um Smart Contracts
- ab ca. 2017: Adaption im Unternehmensumfeld (Permissioned Blockchains, Konsortien)
- heute: Einsatz vor allem dort, wo mehrere Parteien ohne zentrale Autorität zusammenarbeiten müssen
Viele Erwartungen der frühen Jahre haben sich relativiert. Blockchain ist kein Ersatz für Datenbanken – sondern eine spezialisierte Ergänzung.
3. Funktionsweise (vereinfacht)
Eine Blockchain basiert auf vier zentralen Prinzipien:
- Verteilte Speicherung
Mehrere Knoten halten identische Kopien des Ledgers. - Blöcke & Verkettung
Transaktionen werden gebündelt und kryptografisch mit dem vorherigen Block verknüpft. - Konsensmechanismus
Das Netzwerk einigt sich darauf, welcher Block gültig ist (z. B. Proof of Work, Proof of Stake, BFT-Varianten). - Unveränderlichkeit
Einmal bestätigte Einträge können nicht gelöscht oder überschrieben, sondern nur ergänzt werden.
Das führt zu hoher Integrität – aber auch zu technischer Komplexität, Latenzen und Kosten.
4. Mehrwert von Blockchain – wann sie sinnvoll ist
Blockchain entfaltet ihren Nutzen nicht überall, sondern nur unter bestimmten Bedingungen:
Blockchain ist sinnvoll, wenn …
- mehrere unabhängige Organisationen zusammenarbeiten
- keine zentrale Instanz akzeptiert oder gewünscht ist
- Daten fälschungssicher nachvollziehbar sein müssen
- die Historie wichtiger ist als die Änderbarkeit
- Vertrauen technisch ersetzt werden soll
Typische Anwendungsfelder:
- Lieferketten-Nachweise zwischen Unternehmen
- Herkunfts- und Eigentumsnachweise
- Konsortiale Register
- Abrechnungssysteme zwischen Marktteilnehmern
5. Warum man nicht für alles eine Blockchain braucht
In vielen Digitalisierungsprojekten wird Blockchain eingesetzt, obwohl die Voraussetzungen nicht erfüllt sind.
Eine Blockchain ist nicht sinnvoll, wenn:
- alle Daten aus einer Organisation stammen
- es klare Verantwortlichkeiten und Zugriffsrechte gibt
- Daten häufig geändert oder gelöscht werden müssen
- Performance, Einfachheit und Kosten entscheidend sind
- klassische Datenbankfunktionen benötigt werden (Suche, Filter, Beziehungen)
In diesen Fällen ist eine webbasierte Datenbank überlegen:
- einfacher
- schneller
- günstiger
- besser wartbar
- regulatorisch klarer
Blockchain ersetzt keine saubere Datenstruktur – sie verschiebt nur das Problem.
6. Einordnung im Kontext von AIRdBASE
AIRdBASE setzt bewusst nicht pauschal auf Blockchain, sondern auf:
- strukturierte, webbasierte Datenhaltung
- klare Objekt- und Rechtekonzepte
- Smart IDs als eindeutige Identifikatoren
- nachvollziehbare Versionierung und Historien
Blockchain kann dort sinnvoll ergänzt werden, wo externe Parteien oder öffentliche Nachweise erforderlich sind – sie ist aber nicht die Grundlage der Plattform.
Denn:
Nicht jedes digitale Problem ist ein Vertrauensproblem zwischen Fremden.
7. Fazit
Blockchain ist eine mächtige, aber spezialisierte Technologie.
Sie löst ein sehr konkretes Problem – und genau deshalb sollte sie auch nur dort eingesetzt werden.
Digitale Systeme werden nicht besser, indem man sie komplexer macht.
Sie werden besser, wenn man für jedes Problem das passende Werkzeug wählt.
Nicht für alles braucht man eine Blockchain.
Für vieles braucht man vor allem: klare Daten, saubere Strukturen und einfache Zugänge.
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