Warum und wann es Sinn macht, auf Silolösungen zu setzen

Wer alle Prozesse in die Kern-IT integriert, erhöht nicht die Effizienz – sondern die Angriffsfläche.
In der IT werden Silos häufig pauschal als ineffizient kritisiert. Aus Sicht der Informationssicherheit ist diese Sichtweise zu kurz gegriffen.
Insbesondere in industriellen Umgebungen gilt:
Nicht jeder Prozess ist ein Kernprozess – aber viele Prozesse benötigen externen Zugriff. Facility Management, Asset Management, Instandhaltung, Service oder Bau- und Projektmanagement:
- arbeiten regelmäßig mit externen Dienstleistern
- benötigen standort- und unternehmensübergreifenden Zugriff
- enthalten in der Regel keine hochsensiblen Finanz-, HR- oder IP-Daten
Eine enge Integration dieser Prozesse in ERP-, Finance- oder HR-Systeme erhöht:
- die Angriffsfläche
- die Komplexität der Berechtigungsmodelle
- das Risiko lateraler Bewegungen im Schadensfall
Eine bewusst isolierte Systemarchitektur schafft hier klare Vorteile:
- Trennung nach Schutzbedarfs- und Risikoklassen
- definierte Sicherheitszonen für externe Zugriffe
- kontrollierbare Schnittstellen statt implizitem Vertrauen
- geringerer Impact bei Kompromittierung
Aus Security-Sicht ist das kein Rückschritt, sondern Defense-in-Depth. Die relevante Frage lautet daher nicht, ob Silos „gut“ oder „schlecht“ sind, sondern wo Integration sinnvoll ist – und wo Isolation zwingend erforderlich ist.
Gute IT-Architektur folgt keinem Integrationsdogma, sondern einer sauberen Risiko- und Schutzbedarfsanalyse.
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