Warum wir uns in Deutschland so schwer tun mit der Digitalisierung

Nicht Technik oder Know-how bremsen uns aus, sondern Perfektionismus, Bürokratie und gewachsene Silos. Warum pragmatische Schritte oft wirkungsvoller sind als große Digitalstrategien.
Die Diskussion über Digitalisierung in Deutschland wird seit Jahren geführt – und dennoch bleibt das Gefühl, dass wir langsamer vorankommen als viele andere Länder. Das liegt nicht an mangelndem Wissen, fehlender Technologie oder unzureichenden finanziellen Mitteln. Die Ursachen sind tiefer verankert und überwiegend struktureller, kultureller und organisatorischer Natur.
Perfektion vor Pragmatismus
Deutschland ist geprägt von einem ausgeprägten Qualitäts- und Perfektionsanspruch. Prozesse sollen vollständig durchdacht, normiert und rechtssicher sein, bevor sie produktiv gehen. Dieser Anspruch hat uns im Maschinenbau, in der Automobilindustrie und im Anlagenbau stark gemacht – wirkt in der Digitalisierung jedoch bremsend.
Digitale Lösungen leben von Iteration, Lernen im Betrieb und schrittweiser Verbesserung. Wer erst startet, wenn alles perfekt ist, startet häufig zu spät.
Bürokratie und Regulierung als Innovationsbremse
Ein weiterer Faktor ist die hohe regulatorische Dichte. Datenschutz, Mitbestimmung, Vergaberecht, Haftungsfragen und IT-Sicherheitsanforderungen sind legitim und wichtig – werden aber oft so interpretiert, dass neue digitale Ansätze grundsätzlich als Risiko wahrgenommen werden.
Das Ergebnis: Pilotprojekte bleiben in der Konzeptphase stecken, und operative Verbesserungen scheitern an formalen Hürden.
Historisch gewachsene Silos
In vielen Organisationen sind IT, Fachabteilungen, externe Dienstleister und Partner strikt voneinander getrennt. Informationen werden über E-Mail, Excel-Listen, PDFs und Telefonate ausgetauscht. Diese Medienbrüche sind ineffizient, aber vertraut.
Digitale Plattformen hingegen erfordern Transparenz, klare Verantwortlichkeiten und gemeinsame Datenmodelle – genau das fällt vielen Unternehmen schwer.
Angst vor Kontrollverlust
Digitalisierung bedeutet, Informationen zu teilen: intern wie extern. Gerade im Asset-, Facility- oder Servicemanagement müssen regelmäßig externe Dienstleister eingebunden werden.
Statt diesen Zugriff gezielt zu steuern, wird er häufig komplett vermieden – aus Sorge vor Sicherheitsrisiken. Dabei ist kontrollierter, rollenbasierter Zugriff heute technisch beherrschbar und deutlich sicherer als unstrukturierte E-Mail-Kommunikation.
Excel als Sicherheitszone
Excel ist in Deutschland allgegenwärtig – und das aus gutem Grund. Es ist flexibel, sofort verfügbar und benötigt keine Einführung. Gleichzeitig ist Excel keine Datenbank, kein Kollaborationswerkzeug und keine revisionssichere Dokumentation.
Der Übergang von Excel zu strukturierten, webbasierten Plattformen wird oft als Kontrollverlust wahrgenommen, obwohl er in Wahrheit Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Effizienz schafft.
Digitalisierung ist kein IT-Projekt
Ein zentraler Denkfehler besteht darin, Digitalisierung als reines IT-Thema zu betrachten. In Wirklichkeit ist sie eine organisatorische und kulturelle Transformation.
Solange digitale Lösungen eingeführt werden, ohne Prozesse, Rollen und Verantwortlichkeiten mitzudenken, bleiben sie Insellösungen ohne nachhaltigen Nutzen.
Was es braucht
Deutschland tut sich nicht schwer mit Digitalisierung, weil es unfähig wäre – sondern weil es hohe Ansprüche an Ordnung, Sicherheit und Qualität hat. Der Schlüssel liegt darin, diese Stärken mit pragmatischen, schrittweisen digitalen Lösungen zu verbinden. Nicht der große Wurf ist entscheidend, sondern der erste funktionierende Schritt.
AIRdBASE setzt genau hier an: bei klar abgegrenzten Prozessen wie Asset-, Facility- und Servicemanagement, die nicht zur sensiblen Kern-IT gehören, aber hohe Anforderungen an Struktur, Nachvollziehbarkeit und Zusammenarbeit stellen.
Webbasiert, ohne lokale Installation, mit klaren Rollen, Rechten und einer eindeutigen Smart ID für jedes Objekt – als pragmatischer Einstieg in echte Digitalisierung.
Digitalisierung beginnt nicht mit Perfektion, sondern mit Struktur.
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